Gegendarstellung zum Artikel 

„Traditionelle Chinesische Medizin – Fernöstliche Heilmischung“ von Paul Unschuld, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 15.12.07

http://www.sueddeutsche.de/wissen/904/426661/text/

Beim Lesen dieses Artikels von Paul Unschuld regte sich in mir stellenweise Zuspruch, da ich ihn aber insgesamt recht überzogen fand, vor allem auch Widerspruch. Deswegen möchte ich meine Gedanken dazu in ein paar Zeilen zum Ausdruck bringen. Leider liegt viel Wahrheit in dem, was Prof. Unschuld dort schreibt. Die chinesische Medizin ist im Zuge der Modernisierung während der Republikzeit und auch zu Beginn der Volksrepublik-Ära stark kritisiert und attackiert worden. Doch die darauf folgende Modernisierung der chinesischen Medizin hin zur so genannten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist keine vollständige Neuerfindung derselben, wie Herr Unschuld es darstellt. Auch wenn die moderne chinesische Medizin heute erheblich von westlichem Gedankengut durchdrungen ist und so manche als unwissenschaftlich gebrandmarkten Bestandteile in offiziellen Lehrbüchern nicht mehr auftauchen, so basiert sie dennoch auf ihrer Jahrtausende alten Tradition. Auch wenn sie sich von manchen Überzeugungen distanziert hat, ist die TCM doch ohne ihre traditionelle Grundlage nicht denkbar. Also finde ich es nicht angemessen, die heute praktizierte chinesische Medizin auf weniger als 100 Jahre Existenzdauer zu datieren. 

Bemerken möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem, dass es trotz des politischen Bestrebens um Vereinheitlichung und Verwissenschaftlichung bis heute nicht DIE TCM gibt. Selbst im vereinheitlichten festlandchinesischen Medizingeschehen gibt es viele verschiedene Vertreter dieser modernisierten Form der chinesischen Medizin, die oft so modern gar nicht sind. Nicht wenige Ärzte haben sich dem Bestreben der Politiker nach Verwestlichung der Chinesischen Medizin  verweigert. Gerade in den letzten Jahren bahnt sich in China meinem persönlichen Eindruck nach eine Renaissance der wirklich traditionellen chinesischen Medizin an. Nachdem nun in China im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung de facto auch mehr Meinungsfreiheit besteht, nehmen immer weniger traditionell gesinnte Ärzte ein Blatt vor den Mund und artikulieren ihre Kritik an der Infiltration der chinesischen Medizin durch westlich-medizinisches Gedankengut. Dies spiegelt sich nicht nur in Publikationen wie „Sikao Zhongyi“ („Nachdenken über chinesische Medizin“) von Liu Lihong wieder, sondern auch in dem, was selbstdenkende Lehrkräfte an chinesischen Universitäten lehren und in ihren Praxen praktizieren. Zwar geht der Mainstream an chinesischen TCM-Universitäten in Richtung Verwestlichung und versucht mittels Tierexperimenten und statistisch untermauerten Studien die Effektivität von chinesischen Therapiemethoden zu belegen, doch gibt es eine nicht zu übersehende Minderheit von Ärzten und Professoren, die gegen diese Verwestlichung opponieren und auch bei ihren Studenten das Bewusstsein für die Schieflage der TCM schaffen und wachhalten. Ich persönlich habe während meines Medizinstudiums in Hangzhou, VR China, Lehrer dieser Art gefunden. Natürlich bin ich dort auch auf andere Vertreter der verwestlichten TCM gestoßen, aber, zumindest, wenn man längerfristig dort studiert, kann man sich seine Lehrer ja aussuchen. Doch andererseits glaube ich gern, dass viele Studenten von Kurzzeitpraktika in China enttäuscht oder frustriert zurückkehren, wie Herr Unschuld schreibt. Möglicherweise gibt es dort mehr Spreu als Weizen. Doch ich fürchte, dass dies schon immer so war.

Der Drang nach Bewahrung des „historischen Kerns der chinesischen Medizin“ kommt also nicht nur von uns aus dem Westen, sondern auch aus den Reihen der chinesischen Ärzte selbst, wobei sich diese beiden Seiten gegenseitig beeinflussen und diese erfreuliche Bewegung somit an Dynamik gewinnt. Ich persönlich sehe meine Erforschung der Signaturen der chinesischen Arzneimittel auch als einen kleinen Beitrag in dieser Bewegung. Dies ist auch ein als unwissenschaftlich betrachteter Aspekt der chinesischen Medizin, der heutzutage kaum noch diskutiert wird. Doch die klassischen Schriften sind voll mit Hinweisen darauf. Man braucht es nur zu lesen und herauszuarbeiten. So ist es mit allen anderen verdrängten Aspekten. In den alten Schriften ist alles zu finden! Die „Modernisierung“, „Verwissenschaftlichung“ und „Verwestlichung“ der chinesischen Medizin bezieht sich in erster Linie auf die modernen Lehrbücher und auf den offiziellen Uni-Betrieb. Doch wache Medizinstudenten, Ärzte und Professoren beschränken sich selbstverständlich nicht auf das Lesen von Lehrbüchern, sondern lesen die Klassiker und die Fallgeschichten alter Ärzte. Diese Werke sind nicht nennenswert zensiert worden! Und da die Modernisierung der chinesischen Medizin glücklicherweise ohne Bücherverbrennung verlief, bildet die tatsächlich traditionelle chinesische Medizin in all ihrer Pluralität auch tatsächlich das Fundament der modernen TCM. 

Die klassischen Werke der chinesischen Medizin erleben in den letzten Jahren besonders viele Neuauflagen, was auch ein Indiz für das Wiederaufleben traditionellen Gedankengutes ist. Leider kommt die Übersetzung dieser Werke in westliche Sprachen nur sehr zögerlich hinterher. Doch so eklatant wie Unschuld schreibt, ist der Missstand auch nicht mehr. Zwar sind in der Tat viele Bücher über chinesische Medizin im Westen von Autoren geschrieben worden, die des Chinesischen nicht mächtig waren, doch gibt es auch mehrere Einflussreiche Autoren, wie z.B. Ted Kaptschuk, Dan Bensky, Steven Clavey und Volker Scheid, die die chinesische Sprache hervorragend beherrschen und sich in ihren Publikationen um eine unverfälschte Darstellung traditioneller Ansichten bemühen.  

Es ist schließlich nur eine Frage des persönlichen Engagements, sich mit den klassischen chinesischen Schriften zu beschäftigen, die darüber entscheidet, ob wir eine gut 50 Jahre alte TCM praktizieren oder eine Jahrtausende alte chinesische Medizin. Von der pessimistischen Beerdigungsstimmung, die führende westliche Intellektuelle in den letzten Jahren in entfacht haben, möchte ich mich nicht anstecken lassen. Stattdessen möchte sich sagen, es gibt noch Hoffnung und es liegt nicht zuletzt am Engagement jedes Einzelnen – gleich, ob hier im Westen oder in China.

Andreas Kalg

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift für Traditionelle Chinesische Medizin  und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages für Ganzheitliche Medizin.

PAO ZHI 炮 制

Die Kunst der Aufbereitung chinesischer Arzneimittel

Von Jens Vanstraelen und Andreas Kalg

Als Pao zhi bezeichnet man das Aufbereiten bzw. Präparieren arzneilicher Drogen für die Verwendung innerhalb einer Rezeptur. Im weiteren Sinne gehören auch das Anbauen, Ernten, Reinigen, Selektieren, Trocknen und Lagern zur Aufbereitung der Kräuter. Im engeren Sinne meint man damit das Weiterverarbeiten unter Zuhilfenahme von Feuer. Durch die spezielle Aufbereitung kann die Resorption bestimmter Arzneimittel verbessert, ihre Funktion abgeändert, ihre Wirkung modifiziert oder ihre Toxizität verringert werden. So ermöglichen uns die verschiedenen Methoden des Pao zhi, die Effektivität der Behandlung zu erhöhen und mögliche Nebenwirkungen für den Patienten zu verringern bzw. zu vermeiden.

Pao zhi ist also eine wichtige Maßnahme zur Therapiesicherheit. Es hilft uns, die Kraft eines Krautes zu kontrollieren und in die richtigen Bahnen zu lenken. 

Wichtige Literatur über Pao zhi

Das erste eigenständige Werk über Pao zhi ist Großvater Lei’s Abhandlung über die Aufbereitung von Arzneimitteln (Lei Gong Pao Zhi Lun) von Lei Xiao, ca. 600 n. Chr. Die im Jahre 1578 erschienene Große Materia Medica (Ben Cao Gang Mu) von Li Shizhen enthält ebenfalls viele Referenzen zur Aufbereitung der Arzneidrogen. Etwas später, ebenfalls während der Ming-Dynastie, folgte im Jahre 1622 Miao Xiyong’s Die Methoden der Aufbereitung von Arzneimitteln (Pao Zhi Da Fa). Auch in vielen anderen klassischen Werken zur Materia Medica finden Präparierungsmethoden Erwähnung. 

Zwei wichtige moderne Quellen sind die Kompilation der wichtigsten Erkenntnisse über die Aufbereitung von Kräutern in verschiedenen Epochen (Li Dai Pao Zhi Ji Yao) und Erfahrungen in der Aufbereitung von Chinesischen Arzneimitteln (Zhong Yao Pao Zhi Jing Yan Ji Chang). Diese beiden Bücher sind Sammlungen der Pao-Zhi-Verfahren, herausgegeben von der Chinese Academy of TCM in Beijing.

Die Funktionen des Pao zhi im Überblick

  1. Veränderung die Wirkrichtung und Lenkung in bestimmte Leitbahnen
  2. Veränderung der Funktion bzw. Wirkung
  3. Verbesserung die Aufnahme
  4. Verminderung der Toxizität
  5. Beseitigung unangenehmer Gerüche

Diskussion der Funktionen des Pao zhi im Einzelnen

Die Veränderung die Wirkrichtung und Lenkung in bestimmte Leitbahnen 

Viele Arzneien haben mehrere Wirkrichtungen. So heißt es beispielsweise über Chuanxiong Rhizoma (Chuan xiong), dass es zum Kopf aufsteigen und auch zum Meer des Blutes, also ins Durchdringungsgefäß (Chong mai) und in die Gebärmutter, absteigen kann. Je nach Aufbereitungsart kann die eine oder andere Wirkrichtung verstärkt werden.

Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle bei der Lenkung der Wirkung eines Krautes. Dies beginnt bereits bei der Auswahl eines bestimmten Pflanzenteils, erstreckt sich über die Aufbereitung bis hin zur Kombination mit anderen Arzneimitteln. Auch die Dosis kann hierbei ausschlaggebend sein. 

Durch die spezielle Aufbereitung kann die Wirkung von Arzneidrogen in bestimmte Leitbahnen, Körperregionen oder Schichten gerichtet werden. Unterschiedliche Aufbereitungsarten sollen hier exemplarisch an den drei Drogen Menthae haplocalycis Herba (Bo he), Schizonepetae Herba (Jing jie)(Bai shao) dargestellt werden. und Paeoniae Radix Alba (Bai shao) dargestellt werden.

Unpräpariertes Menthae haplocalycis Herba (Sheng bo he) ist scharf, kühl, aufsteigend und zerstreuend. Es tritt in stärkerem Maße in die Lungen-Leitbahn ein (Wei-Qi-Ebene) als in die Leber-Leitbahn. In der Lungen-Leitbahn und an der Körperoberfläche zerstreut es Wind-Hitze, lindert damit Beschwerden wie Hals- und Kopfschmerzen oder gerötete Augen. Geröstetes Menthae haplocalycis Herba (Chao ho he) steigt weniger stark an die Oberfläche und hilft, Stagnationshitze aus der Qi- und Blut-Ebene zu beseitigen. Diese Anwendung kennen wir z.B. aus der Rezeptur Xiao Yao San. Verkohltes Menthae haplocalycis Herba (Bo he tan) wirkt überhaupt nicht mehr zerstreuend. Es kann als Botenkraut für den Lungenfunktionskreis eingesetzt werden, wenn man z.B. die Wirkung der Rezeptur in den Hals oder in die Nase leiten möchte, aber bei einem schwachen Patienten die zerstreuende Wirkung von Bo he umgehen will. 

Unpräpariertes Schizonepetae Herba (Sheng jing jie) geht ins Taiyang und zerstreut Wind-Kälte. Verkohltes Schizonepetae Herba (Jing jie tan) geht ins Jueyin, wo es Blutungen stillt, Wind beruhigt und das Leber-Qi reguliert. Benutzt wird dies z.B. in der Gynäkologie, bei unregelmäßiger und krampfartig schmerzhafter Periodenblutung.

Das Anbraten in Essig (cu chao) führt die Wirkung eines Arzneimittels in die Leber-Leitbahn und in die Blut-Ebene. So tritt die in Reisessig angebratene Päonienwurzel (Cu bai shao) vor allem in die Leber-Leitbahn ein und wirkt insbesondere auf der Blut-Ebene. Dadurch behandelt sie besonders gut Frauenleiden. Sie adstringiert stärker die Leber, wirkt effektiver schmerzstillend, Blut nährend und blutstillend.

Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Wirkungen der Päonienwurzel (Bai shao) auf, die sie nach unterschiedlichen Aufbereitungsverfahren entfaltet. 

 

Aufbereitungsart

Wirkung

in Reisessig anbraten (Cu chao bai shao oder Cu bai shao oder Cu shao)

 

Wirkt insbesondere auf der Blut-Ebene und behandelt Frauenleiden.

Wirkt stärker die Leber adstringierend, schmerzstillend, Blut nährend und blutstillend.

in Wein gebraten (Jiu chao bai shao oder Jiu chao bai shao oder Jiu shao)

mildert die kalte Natur von Bai shao ab und harmonisiert die Mitte; wirkt stärker blutbelebend;

besonders empfehlenswert im Winter;

behandelt Bauchschmerzen

trocken angebraten (Chao bai shao oder Zhi bai shao)

behandelt Durchfall mit Bauchschmerzen

angebrannt bzw. verkohlt (Jiao bai shao oder Jiao shao oder Bai shao tan)

Wirkt besonders stark Blut adstringierend und blutstillend.

2. Veränderung der Funktion

Kalte Arzneimittel können durch Rösten in ihrer Kälte abgemildert werden, aber auch warme Arzneimittel können durch Rösten leicht gekühlt werden. Dies geschieht beispielsweise, wenn Angelicae sinensis Radix (Dang gui) so lange in der Pfanne geröstet wird, bis seine Öle flüssig werden und austreten. Diese aromatischen Öle sind es, die Dang Gui sein warmes Temperaturverhalten verleihen. Diese Droge nennt man dann Chao dang gui, wenn sie trocken geröstet worden ist, oder Tu Chao dang gui, wenn sie in Erde geröstet worden ist.

Auch Atractylodis Rhizoma (Cang zhu) wird durch Rösten kühler. Dies beruht auf dem gleichen Prinzip wie bei Dang gui.

Gardeniae Fructus (Zhi zi oder Shan zhi) ist in unpräpariertem Zustand kalt und etwas feucht. In diesem Zustand ist es besonders gut geeignet, um Hitze zu klären. Wenn Feuchtigkeit-Hitze besteht, kann Zhi zi geröstet werden (Jiao shan zhi). Dadurch wird die kalt-feuchte Natur von Zhi zi abgemildert. Um Blut-Hitze zu kühlen und Blutungen zu stillen, ist die verkohlte Gardeniafrucht (Hei shan zhi oder Zhi zi tan) am besten geeignet. 

Lablab Semen album (Bai bian dou) entfaltet auch unterschiedliche Wirkungen, je nachdem, ob es unpräpariert oder geröstet verwendet wird. Die unpräparierte Droge (Sheng bai bian dou) löst Toxine heraus und kann bei verchiedenen Arten von Vergiftungen angewandt werden. Außerdem nährt es das Milz-Yin. Man kann es also bei Milz-Schwäche mit Trockenheit anwenden, was sich am trocknen Zungenkörper manifestiert. Die geröstete Droge (Chao bai bian dou) kräftigt das Milz-Qi und beseitigt Feuchtigkeit. Sie findet entsprechend Anwendung bei Milz-Schwäche mit Feuchtigkeit, was man leicht am dicken weißen Zungenbelag und am feuchten Zungenkörper erkennen kann. 

Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji nei jin) beseitigt im unpräpariertem Zustand (Sheng ji nei jin) Knoten, Steine und Akkumulationen, wohingegen die geröstete Droge (Chao ji nei jin) die Verdauung kräftigt.

3. Verbesserung die Aufnahme

Manche Arzneimittel geben ihre Wirkstoffe nur schwer an das Dekokt ab oder werden vom Körper nur schwer absorbiert. Dies lässt sich durch eine entsprechende Aufbereitung der Drogen verbessern. Beispielsweise gehen die Wirkstoffe von Corydalis Rhizoma (Yan hu suo) nur schwer ins Dekokt über. Präpariert man es hingegen mit Essig (Cu yan hu suo), verdoppelt sich die Aufnahmefähigkeit.

Ähnlich verhält es sich mit Testudinis Plastrum (Gui ban), Amydae Carapax (Bie jia), Fossilia Ossis Mastodi (Long gu), Ostreae Concha (Mu li)(Shi jue ming). Durch Wärmezufuhr (Zhi oder Duan) werden diese mineralischen Drogen in ihrer Struktur poröser, wodurch sich die Wirkstoffe beim Abkochen besser herauslösen. und Haliotidis Concha 

Bei Polygoni multiflori Radix (He shou wu) kennt man auch zwei verschiedene Formen. Die unbehandelte Wurzel (Sheng he shou wu) ist kühl und nährt auf befeuchtende Weise. Sie wird z.B. gerne bei Obstipation aufgrund von Blut-Mangel und Trockenheit der Därme gegeben. Um die Blut auffüllende Wirkung von He shou wu zu verstärken, muss es zusammen mit schwarzen Bohnen (Hei Dou) und Reiswein 12 Stunden lang gekocht werden. Dann erhält man die präparierte Polygonumwurzel (Zhi he shou wu).

4. Verminderung der Toxizität und Vermeidung von Nebenwirkungen

Manchmal ist es nötig, drastisch wirkende oder toxische Arzneimittel zu benutzen. Doch sollte dies den Kranken nur so wenig wie möglich belasten. 

Aconiti Radix lateralis (Fu zi), zum Beispiel, ist scharf, heiß, trocknend und toxisch. 

Unpräpariert wird es heutzutage nur noch selten innerlich angewandt. Doch in der Abhandlung über Kälte-Schädigung (Shang Han Lun) benutzte Zhang Zhongjing rohes Fu zi häufig, um lebensbedrohliche Yang-Leere-Zustände schnell zu behandeln und Patienten aus kollapsartigen Zuständen zu retten. Von einigen sehr erfahrenen chinesischen Ärzten abgesehen, wird rohes Fu zi heutzutage meist nur noch äußerlich in der Akupunktur zusammen mit Moxa benutzt. Zur innerlichen Anwendung wird präparietes Fu zi verwendet. Bei einer typischen Aufbereitungsart wird Fu zi(Hei dou) 48 Stunden lang gekocht. Dabei absorbiert Hei dou die Toxine von Fu zi und machen es weniger trocken und heiß. So präpariert kann es das Mingmen-Feuer auf etwas mildere Weise wärmen und schädigt weniger das Yin. zusammen mit schwarzen Sojabohnen 

Ebenso müssen Arisaematis Rhizoma (Tian nan xing) und Pinelliae Rhizoma (Ban xia) vor den Gebrauch 48 Stunden lang in Alumen (Ming fan) eingeweicht und anschließend weiter mit Glycyrrhizae Radix (Gan cao) präpariert werden, wodurch Ban xia seine gelbe Farbe bekommt und den größten Teil seiner Toxizität verliert. Diese Drogen bezeichnet man dann als Fa ban xia bzw. Zhi tian nan xing.

Weniger drastisch sind beispielsweise die Toxine von Toosendan Fructus (Chuan lian zi) oder Arecae Semen (Bing lang). Deren Toxine können durch Rösten vermindert werden. Dadurch erhält man dann die vergleichsweise milden Drogen Chao chuan lian zi oder Jiao bing lang.

5. Entfernt unangenehme Gerüche 

Insbesondere die Arzneimittel tierischen Ursprungs riechen oft stark. Um solche unangenehmen Gerüche zu vermindern, werden die tierischen Bestandteile in Essig gebraten. Typische Beispiele hierfür sind Trogopterori Faeces (Wu ling zhi), Hirudo (Shui zhi) und Tabanus (Meng chong). Weiterhin kann der Essig die Arzneimittel in die tiefe Blut-Ebene führen. Hieran sieht man, dass sich die verschiedenen Funktionen der Aufbereitung auch überschneiden und ein Präparationsverfahren mehreren Zwecken dienen kann.

Präpärationsmethoden

1. Selektion der einzelnen Bestandteile

Auch das separate Ernten und Zubereiten der einzelnen Bestandteile einer Arzneipflanze fällt unter Pao zhi im weiteren Sinne. Von manchen Heilpflanzen werden unterschiedliche Teile mit teils ähnlichen, zum Teil aber auch grundverschiedenen therapeutischen Wirkungen gewonnen. Besonders zahlreich sind die vom Mandarinenbäumchen oder die vom Lotus gewonnenen Drogen. 

Beim Mandarinenbäumchen werden separat die Blätter (Ju ye), die Schale der unreifen Frucht (Qing pi), die Schale der reifen Frucht (Ju pi), getrocknet und lange gelagert als Chen pi bezeichnet, sowie verschiedene Teile der inneren Haut (Ju hong und Ju bai), die Fasern (Ju luo) und auch die Kerne (Ju he) verwendet. All diese Teile besitzen ähnliche Eigenschaften; sie alle regulieren das Qi. Doch entsprechend ihrer Signaturen gehen sie in verschiedene Körperregionen und -schichten, weshalb sie bei unterschiedlichen Problemen eingesetzt werden können.

Beim Lotus unterscheidet man die Blätter (He ye), den Wurzelstock (Lian ou oder einfach Ou), die Knoten des Wurzelstocks (Ou jie), die Samenkelche (Lian fang), die Lotussamen (Lian zi), die Keimlinge der Lotussamen (Lian zi xin) und die Staubblätter (Lian xu). Anders als oben bei den Mandarinendrogen haben die einzelnen Teile der Lotuspflanze sehr unterschiedliche Eigenschaften. Sie reichen vom nährenden Befeuchten bis zum Adstringieren – und die bitteren Keimlinge (Lian zi xin) klären sogar Hitze.

Der Maulbeerbaum bildet auch eine unerschöpfliche Quelle wertvoller Arzneimittel. Insbesondere seine Blätter (Sang ye), Zweige (Sang zhi), Früchte (Sang shen zi) und die Wurzelrinde (Sang bai pi) werden arzneilich verwendet. Diese einzelnen Teile des Baumes besitzen entsprechend ihrer Signaturen unterschiedliche Wirkungen. Die Blätter, als die atmenden Teile der Pflanze, haben einen besonderen Bezug zur Lunge sowie zu den der Lunge zugeordneten Skleren und zur Körperoberfläche. Der Wind, dem sie lange ausgesetzt sind, macht die Maulbeerblätter auch zu einer Wind-Droge, welche bei ihrer kalten Natur Wind-Hitze zu behandeln vermag. Wind gehört andererseits der Wandlungsphase Holz an – und auch durch ihre grüne Farbe haben die Maulbeerblätter einen Bezug zur Leber. Sie klären Hitze aus der Leber und der Leber-Leitbahn. Somit behandelt Sang ye gerötete, tränende, gereizte, trockene oder schmerzhafte Augen, entweder durch Wind-Hitze oder Leber-Hitze. Während die leichten Blätter dem Luftorgan Lunge entsprechen, stehen die länglichen Zweige (Sang zhi) in Analogie zu den menschlichen Gliedmaßen. Man wendet sie bei Bi-Syndromen an, um schmerzhafte Obstruktionen der Glieder zu beseitigen. Die süß-sauren Maulbeeren (Sang shen zi) besitzen als Früchte ein nährendes und befeuchtendes Potential. Sie kräftigen die Niere und festigen die Essenz. Die Wurzelrinde (Sang bai pi) besitzt eine für Wurzeln untypische weiße Färbung. Die weiße Farbe führt ihre Wirkung in die Lunge. Sie stillt Husten und Atemnot, wirkt harntreibend und schwemmt Ödeme aus. Das Hauptanwendungsgebiet von Sang bai pi ist Husten aufgrund von Lungen-Hitze. Diese Beispiele sollen illustrieren, wie verschiedene Teile ein und derselben Heilpflanze teils sehr unterschiedliche Wirkungen haben und diese in unterschiedlichen Körperregionen entfalten können.

2. Ernten, Waschen, Zerstoßen, Schneiden und Säubern

Angefangen wird mit der Kontrolle des Erntezeitpunktes – z.B. wird Mori Folium (Shuang Sang Ye) idealerweise erst nach dem ersten Frost geerntet. Erst dann besitzen sie ihr gesamtes Qi und ihre volle Kraft. So können sie ihr kühlendes Potential am besten entfalten. Oder durch jahrhundertelange Erfahrung weiß man z.B., dass die beiden Drogen der Rezeptur Er Zhi Wan, Ligustri lucidi Fructus (Nü zhen zi) und Ecliptae Herba eclipta (Han lian cao), die beste Qualität besitzen, wenn sie zur Sommersonnenwende bzw. zur Wintersonnenwende geerntet werden. In den Klassikern der chinesischen Materia Medica finden sich stets genaue Angaben darüber, zu welchem Zeitpunkt ein bestimmtes Kraut geerntet werden soll und ob es dann in der Sonne oder im Schatten zu trocknen ist etc.

Nach dem Ernten werden die Drogen dann gewaschen, getrocknet, präpariert und für die Lagerung, Weiterverarbeitung oder den direkten Gebrauch fertiggestellt. So werden bei Eriobotryae Folium (Pi pa ye) nach der Ernte die feinen Härchen von der Unterseite der Blätter abgebürstet, damit sie später keine Irritationen im Hals hervorrufen.

3. Präparieren unter Zuhilfenahme von Feuer

3.1 Rösten (Qing Chao, Chao huang, Jiao, Tan)

Hierbei werden die Arzneimittel so lange im Wok oder im Backofen geröstet, bis sie den gewünschten Grad an Gelb- oder Braunfärbung erreicht haben. Qing chao ist das Rösten ohne andere Substanzen. Chao Huang ist der erste Grad des Röstens, wobei das Kraut eine gelb-bräunliche Farbe bekommen soll. Wenn z.B. Lai Fu Zi geröstet wird (Chao lai fu zi), verringern sich seine Reizstoffe und es eignet sich besser zur Behandlung der Verdauungsorgane, insbesondere, um Blähungen zu beseitigen. Unbehandeltes Lai fu zi ist scharf und kann leicht Magenschmerzen verursachen. Die unpräparierten Pharbitissamen (Sheng qian niu zi) wirken zu drastisch und können nur von Patienten von starker Konstitution eingenommen werden. Wenn sie jedoch geröstet werden (Chao qian niu zi), sind sie milder und können stagniertes Qi, Feuchtigkeit, Hitze, Nährungsstagnationen, Schleim und stagnierten Stuhl aus den Durchgangsorganen abführen. Durch das Rösten wird Ziziphi spinosae Semen (Suan zao ren) weniger befeuchtend gemacht, da es hierbei teilweise seine fetten Öle verliert.

Bitter-kalte Drogen wie Coptidis Rhizoma (Huang lian) und Scutellariae Radix (Huang qin) können durch Rösten weniger kalt gemacht werden, wodurch sie von schwachen Patienten besser vertragen werden. Zum anderen können sie auf diese Weise noch besser Feuchtigkeit-Hitze klären.

Chao Jiao ist das Rösten der Droge bis sie braun-schwarz ist.

Crataegi Fructus (Shan zha), beispielsweise, ist sauer und bewegt das Blut. Im stark gerösteten Zustand (Jiao shan zha) steigert sie nicht mehr die Magensäurenbildung, sondern reduziert Nahrungstagnationen durch Fleisch und senkt nach modernen Erkenntnissen den Cholesterinspiegel. Auch Hordei Fructus germinatus (Mai ya), Oryzae Fructus germinatus (Gu ya) und Massa medicata fermentata (Shen qu) beseitigen nur dann Nahrungsstagnationen, wenn sie auf diese Weise geröstet worden sind.

Chao Tan bedeutet teilweise Verkohlung. Dabei wird unter hoher Temperatur so lange geröstet, bis das Äußere der Droge schwarz ist. Drogen, die so behandelt worden sind, stillen Blutungen, wie z.B. verkohlte Rhei Radix et Rhizoma (Da huang tan), Rehmanniae Radix (Sheng di tanShu di tan), Sanguisorbae Radix (Di yu tan), Mume Fructus (Wu mei tan), Schizonepetae Herba (Jing jie tan) etc. oder 

3.2 Rösten mit flüssigen Zusätzen

Wenn ein Arzneimittel in der Pfanne geröstet wird und gelb-weißer Rauch aufsteigt, wird es mit einem Substanz-Wassergemisch abgelöscht und wieder solange erwärmt, bis die Flüssigkeit resorbiert oder verdampft ist und wieder gelb-weißer Rauch entsteht.

 

  • Braten in einem Honig-Wassergemisch (Mi Zhi):

Honigsaft ist süß, neutral und nährend. Er hilft, die Arzneimittel zu befeuchten und ihre Wirkung abzumildern. Beispiele hierfür sind in Honig gebratenes Ephedrae Herba (Mi zhi ma huang), Eriobotryae Folium (Mi zhi pi pa ye) oder Mori Cortex (Mi zhi sang bai pi).

  • Braten in einem Salz-Wassergemisch (Yan Zhi):

Dies führt die Wirkung der Drogen zur Niere, hilft Leere-Hitze zu klären oder befeuchtet trocknende Arzneimittel. Beispiele hierfür sind die in Salzlösung gebratenen Drogen Morindae officinalis Radix (Yan ba ji tian), Anemarrhenae Radix (Yan zhi mu), Phellodendri Cortex (Yan huang bai), Eucommiae Cortex (Yan du zhong) und Psoraleae Fructus (Yan bu gu zhi).

  • Braten in einem Essig-Wassergemisch (Cu Zhi): Essig führt die Drogen zur Leber und vermag sie etwas zu befeuchten. Üblicherweise in Essig gebratene Arzneimittel sind: Bupleuri Radix (Cu chai hu), Cyperi Rhizoma (Cu xiang fu), Corydalis Rhizoma (Cu yan hu suo), Trogopterori Faeces (Cu wu ling zhi) und Paeoniae Radix Alba (Cu bai shao).

Auch Mineralien können nach dem Kalzinieren mit Essig abgelöscht werden (siehe unten).

  • Braten in einem Reiswein-Wassergemisch (Jiu Zhi): Mit 15-17 %-igem gelben Reiswein (Shao Xing Jiu) macht man die Arzneimittel wärmer und bewegender. Beispiele für Kräuter, die oft mit Wein präpariert werden: Rhei Radix et Rhizoma (Jiu da huang), Paeoniae Radix Alba (Jiu bai shao), Angelicae sinensis Radix (Jiu dang gui) etc.
  • Braten in einem Ingwersaft-Wassergemisch (Jiang Zhi Zhi):

Ingwersaft ist warm und harmonisierend, stillt Übelkeit und Erbrechen und vertreibt Schleim.

Beispielsweise werden Schleim behandelnde Drogen wie Pinelliae Rhizoma (Ban xia) oder Bambusae Caulis in taeniam (Zhu ru) häufig in Ingwersaft aufbereitet, um ihre Funktionen, Schleim zu vertreiben, den Magen zu harmonisieren und somit Übelkeit oder Erbrechen zu stillen, zu verstärken. Diese Drogen werden dann als Jiang ban xia und Jiang zhu ru bezeichnet.

  • Braten in einem Galle-Wassergemisch (Dan Zhi Zhi):

Arisaematis Rhizoma preparatum (Zhi tian nan xing) ist an sich warm und stark trocknend. Es ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Behandlung von Schleim-Kälte. Doch in Fällen von Schleim-Hitze ist es kontraindiziert. Möchte man sich nun auch in Fällen von Schleim und Hitze seine hervorragende Schleim umwandelnde Wirksamkeit zunutze machen, dann muss man es in bitter-kalter Galle präparieren. Dazu wird Zhi nan xing pulverisiert, mit Ochsengalle (Dan) vermischt und anschließend 30 Minuten lang gedämpft. Dadurch verändern sich seine Funktion und sein Temperaturverhalten. Das Mittel, das man nun als Arisaema cum Bile (Dan nan xing) bezeichnet, vermag Schleim-Hitze aus der Lunge oder Feuchtigkeit-Hitze aus der Blut-Ebene zu klären.

3.3 Rösten mit festen Zusätzen

Meist werden Arzneimittel zwar, wie oben beschrieben, in wässrigen Lösungen gebraten, doch mitunter benutzt man auch trockene Substanzen zur Präparierung. Typische Medien sind dabei Erde, Sand, Weizenkleie oder Reismehl. Das Ziel dieser Aufbereitungsformen liegt meist darin, öligen oder beißend aromatischen Kräutern einen Teil ihrer Öle zu entziehen. Dies ist z.B. üblich bei Atractylodis macrocephalae Rhizoma (Bai zhu), Atractylodis Rhizoma (Cang zhu) und Angelicae sinensis Radix (Dang gui). Wenn sie in Sand oder Erde geröstet werden, verlieren sie einen Teil ihrer scharf-warmen, reizenden aromatischen Öle, was sie milder und verträglicher macht.

Um die relativ schwer verdauliche und klebrige Eselshautgelatine (E jiao) leichter verdaulich zu machen, bricht man sie in kleine Stücke und poppt sie dann in pulverisierter Cyclinae Concha (Hai ge ke). Die dabei entstehenden Kugeln nennt man E-jiao-Perlen (E jiao zhu). Diese lösen sich dann besser im Dekokt auf und lassen sich auch leichter resorbieren.

3.4 Rösten mit anderen Kräutern

Hierbei wird ein Kraut zusammen mit einem anderen im Wok gebraten. Ein typisches Beispiel hierfür ist Rehmanniae Radix praeparata (Shu di huang), das gemeinsam mit Amomi Fructus (Sha ren) gebraten wird, um seine Klebrigkeit zu vermindern und es somit leichter verdaulich zu machen. Bei Bi-Syndromen aufgrund von Kälte und Blut-Mangel kann Shu di huang zusammen mit Asari Herba (Xi xin) geröstet werden.

4. Dämpfen (Zheng Fa)

Bestimmte Arzneimittel werden in einem Dämpfkorb mittels Wasserdampf gegart. Diese Aufbereitungsform ist typisch für Rehmanniae Radix praeparata (Shu di huang) oder Rhei Radix et Rhizoma (Shu da huang). 

Im Fall der Rehmannia wird die frische Wurzel (Sheng di huang) auf ein Lotusblatt gelegt, mit gelbem Reiswein (Huang jiu) übergossen und 72 Stunden lang gedämpft. Anschließend wird es entnommen und in der Sonne getrocknet. Dieser Vorgang wurde traditionell noch acht Mal wiederholt. Dies bezeichnet man als „neun Mal dämpfen und neun Mal in der Sonne trocknen“. Dadurch verändert sich das Temperaturverhalten von kühl zu leicht warm. Shu di huang kühlt dann nicht mehr wie Sheng di huang das Blut, sondern füllt in stärkerem Maße Blut, Yin und Essenz auf.

5.Backen ( Bei Fa)

Ein typisches Verfahren dieser Gruppe ist das Backen in Teig (Wei). Dazu wird eine Droge, z.B. Puerariae Radix (Ge gen) oder Chebulae Fructus (He zi) in Weizenteig eingehüllt und dann im Backofen gebacken. Ge gen verliert darurch seine aufsteigende, oberflächenbefreiende und zerstreuende Funktion und geht stattdessen in die Därme, wo es Durchfall stillt. Auch bei He zi verstärkt sich durch diese Aufbereitungsart dessen adstringierende Kraft, wodurch es bei chronischem Durchfall im Rahmen von Leere-Mustern eingesetzt werden kann.

6.Kochen mit anderen Arzneien zusammen (Zhu Fa)

Wie oben bereits erwähnt, können toxische Arzneimittel zusammen mit anderen Arzneimitteln gekocht werden, um ihre Toxizität zu reduzieren und sie weniger drastisch wirken zu lassen. Typisch hierfür ist das Abkochen von Aconiti Radix lateralis (Fu zi) in schwarzen Bohnen (Hei dou) oder Alaun (Bai fan).

7.Starkes Erhitzen unter Sauerstoffabschluss (Kalzinieren, Duan)

Mineralische Arzneimittel werden in einer Metallbox unter Sauerstoffabschluss solange erhitzt, bis sie leuchtend rot sind (Hong). Manche werden später noch mit Essig (Cu) abgelöscht. Diese Methode wird z.B. bei Fossilia Ossis Mastodi (Duan long gu) und Ostreae Concha (Duan mu li) benutzt. So präpariert, wirken diese Drogen stärker adstringierend und beruhigend, während sie im rohen Zustand (Sheng long gu und Sheng Mu Li) stärker absenkend wirken und aufsteigendes Leber-Yang  wieder nach unten drücken. Die rohen Drogen sind also besser geeignet, Fülle-Muster wie Leber-Feuer zu behandeln und die kalzinierten Drogen eignen sich besser zur Behandlung von Leere-Mustern wie Herzklopfen, Nachtschweiß oder Nervosität. 

8.Destilieren (Gan Liu Fa)

Wie beim Destillieren wird ein spezielles Gefäß langsam erwärmt. Der aufsteigende Dampf kühlt in einem Zylinder ab und ergießt sich in ein separates Gefäß. Auf diese Weise wird z.B. schwarze Bohnenpaste (Hei Dou Gao) zum Behandeln von Neurodermitis gewonnen.

9.Fermentieren (Fa Xiao Fa)

Das Fermentieren verstärkt die Enzymbildung von Arzneimitteln. Dazu werden die Arzneimittel pulverisiert, mit Wasser zu einem Teig geknetet und bei 30-37 Grad C luftdicht aufbewahrt. Ein Beispiel hierfür Massa medicata fermentata (Shen qu).

10.Keimen (Fa Ya)

Verschiedene Arten von Getreidekörnern wie Hordei Fructus germinatus (Mai ya) oder Oryzae Fructus germinatus (Gu ya), werden erst nach dem Keimen für die Behandlung der Verdauungsorgane eingesetzt. Erst dann entfalten sie ihre Nahrungsstagnation auflösende Wirkung.

11. Abschöpfen von der Wasseroberfläche (Shui Fei)

Hierbei werden Mineralien im Wasser zu sehr feinem Pulver zermahlen. Dabei schwimmen die feinsten Anteile an der Wasseroberfläche. Diese werden dann abgeschöpft und getrocknet. So erhält man ein sehr feines Pulver, das selbst auf empfindlichen Schleimhäuten oder auf Wunden keine Reizungen mehr hervorruft. Feines Perlenpulver (Zhen Zhu Fen) wird z.B. auf diese Weise gewonnen.

12. andere Methoden

Dies ist eine sehr große Methodengruppe. Viele sehr spezielle Methoden können hierzu gezählt werden, z.B. die Herstellung von Xi Gua Shuang (Watermelon Frost). Hierzu wird eine Wassermelone (Xi gua) oben geöffnet und mit einem Löffel etwas ausgehöhlt. In dieses Loch füllt man dann Glaubersalz (Mang xiao) und hängt die Melone in einem Netz für ein bis zwei Tage im Schatten auf. Das Salz, das langsam nach außen dringt, wird abgeschabt und bei Halsschmerzen als Lutschtablette oder Spray angewendet. 

Die Veränderung der Wirkung durch die Präparation am Beispiel von Rhei Radix et Rhizoma (Da huang)

1. Sheng da huang (unpräpariert):

Im unpräparierten Zustand ist Da huang bitter, kalt und wirkt drastisch abführend; es drainiert Ansammlungen und Toxine aus den Durchgangsorganen. 

Klinische Anwendung findet Sheng da huang z.B. im bei Feuchtigkeit-Hitze-Gelbsucht in der Rezeptur Yin Chen Hao Tang oder beim Yangming-Organ-Muster in der Rezeptur Da Chen Qi Tang

2. Shu da huang (über eine Stunde in Wasser gedämpft):

Shu da huang, häufig auch Shou da huang genannt, ist milder als Sheng da huang und führt nicht so leicht zu Darmkrämpfen. Es klärt Feuchtigkeit-Hitze und Toxine aus den Durchgangsorganen, indem es den Stuhlgang fördert. Das Patentmittel Qing Ning Wan enthält neun Mal gedämpftes und wieder getrocknetes Da huang. In dieser Form wird es auch von empfindlichen Patienten gut vertragen.

3. Jiu da huang (erwärmt bis Rauch aufsteigt und dann mit einem Reiswein-Wassergemisch abgelöscht):

Der Reiswein macht Da huang weniger kalt und stärker bewegend. Der Wein führt Da huang auch in die Blut-Ebene. Benutzt wird Jiu da huang z.B., um Feuer-Toxine bei Abszessen und Ulzera zu klären.

4. Cu da huang (erwärmt bis Rauch aufsteigt und dann mit einem Essig-Wassergemisch abgelöscht):

Der saure Geschmack führt Da huang in die Leitbahnen und Organe von Leber und Gallenblase. Angewendet wird Cu da huang in der Rezeptur Long Dan Xie Gan Tang oder in Da Chai Hu Tang (Mischsyndrom von Yangming und Shaoyang).

5. Jiao da huang (geröstet bis es braun-schwarz ist):

Das starke Rösten verringert das kalte Temperaturverhalten von Da huang und ist bei einer schwachen Verdauung empfehlenswert. Angewendet wird Jiao da huang z.B., um Entzündungen im Verdauungssystem zu behandeln, wenn gleichzeitig eine Schwäche der Milz vorliegt, beispielsweise in der Rezeptur Zhi Shi Dao Chi San.

6. Da huang tan (geröstet bis es außen schwarz und innen noch roh ist):

Mittels dieser Methode wird Da Huang in die Blut-Ebene geführt, wo es helfen kann, Feuer-Toxine herauszulösen und Blutungen zu stillen. Anwendung findet es z.B. bei Colitis, Mb. Crohn oder Erkrankungen des Verdauungssystems mit Blutungen in der Rezeptur Shi Hui San.

Diese Tabelle stammt aus dem Manuskript des Buches Das Wesen der Chinesischen Heilpflanzen: Klassische Konzepte und Klinische Anwendung von Andreas Kalg. Dieses Buch wird voraussichtlich Ende 2008 erscheinen.

Andreas Kalg